Montag, 22 Januar 2018 12:01

Beamtenanwärter – welche Möglichkeiten der Krankenversicherung gibt es?

Beamte in Ausbildung haben meist die Wahl zwischen der Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) oder einer privaten Krankenversicherung (GKV). Wir möchten Ihnen hier einige Vorteile und auch Nachteile beider Systeme aufzeigen.

Welche Vorteile bietet die gesetzliche Krankenversicherung?
Die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse erfolgt ohne Prüfung Ihres Gesundheitszustandes. Das bedeutet, dass Sie auch mit erheblichen Vorerkrankungen aufgenommen werden. Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind zum größten Teil identisch – es gibt jedoch, je nach Krankenkasse Zusatzleistungen. Diese können sein:

Bonuszahlungen bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen
Kostenübernahme von Homöopathie
Kostenübernahme von Osteopathie
Kostenübernahme von Phytotherapie
Kostenübernahme Naturheilverfahren
u.v.m

Darüber hinaus gibt es die sogenannte „Familienversicherung“. Die bedeutet, dass der Ehepartner und Kinder beitragsfrei mitversichert sein können. Dies gilt u.a. für:

Kinder, Adoptivkinder
Ehepartner
Eingetragene Lebenspartner
Stiefkinder und Enkel, wenn das Mitglied sie überwiegend unterhält
Pflegekinder, wenn sie wie Kinder mit den Pflegeeltern in häuslicher Gemeinschaft leben
Kinder von familienversicherten Kindern

Diese Angehörigen müssen ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben.

Bei Kindern gibt es eine Altersgrenze:
Sie sind mitversichert bis ...
zum vollendeten 18. Lebensjahr.
zum vollendeten 23. Lebensjahr, wenn sie nicht erwerbstätig sind.
zum vollendeten 25. Lebensjahr, wenn sie zur Schule gehen oder eine schulische Berufsausbildung absolvieren.
Gegebenenfalls darüber hinaus durch einen bereits geleisteten Wehr- und Zivildienst oder einen bereits geleisteten Freiwilligendienst.
Keine Altersgrenze gilt für Kinder, die wegen Behinderung außerstande sind, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Voraussetzung ist, dass die Behinderung bereits in der Zeit bestand, in der das Kind familienversichert war.

Es gibt aber auch Ausnahmen, dann ist keine Familienversicherung möglich:
Wenn Ehegatte, Lebenspartner oder Kinder selbst pflichtversichert bzw. freiwillig versichert, versicherungsfrei oder von der Versicherungspflicht befreit sind.
Wenn das Familienmitglied hauptberuflich selbstständig tätig ist.
Wenn ein Familienmitglied eine Ausbildung beginnt oder eine Arbeit aufnimmt, bei der es eine (Ausbildungs-)Vergütung erhält und eine eigene gesetzliche Krankenversicherung abschließen muss. Auch bei einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr nach dem Jugendfreiwilligendienstegesetz oder einem Bundesfreiwilligendienst tritt in der Regel die Versicherungspflicht ein.
Wenn das Familienmitglied über ein Gesamteinkommen verfügt, das monatlich 425 Euro übersteigt. Bei geringfügig Beschäftigten liegt die Einkommensgrenze bei regelmäßig 450 Euro.
Ehegatten sind für die Dauer der Schutzfristen nach dem Mutterschutzgesetz sowie in der Elternzeit nicht familienversichert, wenn sie zuletzt nicht gesetzlich krankenversichert waren. Sie bleiben dann weiterhin privat krankenversichert.
Eine Mitversicherung von Kindern ist ausgeschlossen, wenn der eine Ehe-/Lebenspartner gesetzlich krankenversichert ist, während der andere mit dem Kind verwandte Ehe-/Lebenspartner nicht gesetzlich versichert ist, sein Gehalt monatlich 4.800 Euro übersteigt und er gleichzeitig regelmäßig mehr als der gesetzlich versicherte Ehegatte/ Lebenspartner verdient.

Gibt es auch Nachteile in der gesetzlichen Krankenversicherung?

Der wohl größte Nachteil für Beamtenanwärter ist, dass der Beitragssatz nach dem Einkommen berechnet wird und diese den Beitrag alleine aufbringen müssen.

Hier ein Beispiel:
Ein Lehramtsanwärter in NRW erhält einen Anwärtergrundbetrag in der Besoldungsgruppe A12 in Höhe von mtl. 1.365,37 EUR (Stand 04.2017). Wir gehen davon aus, dass keine Kinder vorhanden sind und so auch kein Familienzuschlag gewährt wird.

Beitragsberechnung (AOK Rheinland/Hamburg, Stand 18.07.2017)

Beitragssatz Krankenversicherung* 14,00 %
Zusatzbeitrag* 1,40 %
Pflegepflichtversicherung** 2,80 %
________________________________________
Gesamtbeitragssatz 18,20 %

1.365,37 EUR mtl. Einkommen X 18,20 % Beitragssatz = 248,50 EUR mtl. Beitrag

In einer privaten Krankenversicherung zahlt ein Beamtenanwärter mit Ausbildungstarifen etwa 60 EUR -90 EUR, je nach Alter und Leistungsumfang.

Nach Ende der Ausbildung und Übernahme in das Beamtenverhältnis (A12, Erfahrungsstufe 4, ohne Zulagen) sieht die Berechnung wie folgt aus:

Der monatliche Beitrag zur GKV* beträgt 629,67 EUR.
In der privaten Krankenversicherung ist der Beitrag je nach gewünschter Leistung bei 190 EUR – 300,00 EUR.

* AOK Rheinland/Hamburg, Stand 18.07.2017, Beitragssatz ohne Krankengeldanspruch
** Beitragssatz für Kinderlose der AOK Rheinland/Hamburg, Stand 18.07.2017

Vorteile der privaten Krankenversicherung

In der privaten Krankenversicherung haben Sie die Möglichkeit Ihren Versicherungsschutz individuell zu gestalten. So können Sie im Rahmen der angebotenen Tarife entscheiden, ob Sie:

- Eine Selbstbeteiligung vereinbaren möchten um Ihren Beitrag zu senken
- Im Krankenhaus die Unterbringung im 1-, oder 2-Bett-Zimmer wünschen
- Im Krankenhaus die privatärztliche Behandlung einschließen möchten
- Einen Basis-Schutz ähnlich der gesetzlichen Krankenkassen wünschen oder einen höherwertigen Verssicherungsschutz mit besseren Leistungen

Die Beitragsberechnung in der privaten Krankenversicherung richtig sich nach Ihrem Alter bei Vertragsbeginn, dem gewünschten Versicherungsumfang und Ihrem Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Antragstellung. Ihr Einkommen ist hier nicht relevant.

Für Beamtenanwärter gibt es darüber hinaus „Ausbildungstarife“ – diese sind in den Leistungen mit den Tarifen die nach der Ausbildung gelten identisch. Der Beitrag ist jedoch deutlich geringer, da noch keine „Alterungsrückstellungen“ gebildet werden. Alterungsrückstellungen werden aus einem Teil Ihrer monatlichen Beiträge angespart und so eine Rücklage für die im Alter meist höheren Kosten gebildet.

Sehr interessant ist die Möglichkeit einer Beitragsrückerstattung, wenn keine Rechnungen zur Erstattung eingereicht werden. Im besten Fall werden dann bis zu 6 Monatsbeiträge der Krankenversicherung erstattet. Viele Versicherungen zahlen diese Rückerstattung auch, wenn Rechnungen für Vorsorgeuntersuchungen nach gesetzlich eingeführten Programmen erstattet werden.

Nachteile der privaten Krankenversicherung

In der privaten Krankenversicherung ist für jede Person, die versichert werden soll, ein eigener Beitrag zu zahlen – es gibt keine „Familienversicherung“.

So ist auch für jedes Kind eines Beamten ein eigener Beitrag fällig – dieser beträgt, je nach gewünschter Leistung und der Höhe der Beihilfe zwischen 35 EUR bis 80 EUR monatlich.

 

Alle Daten und Zahlen sind Stand 2017

 


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